IM WESTEN NICHTS NEUES
Installation, 2014
Eilmeldungen, Liveticker und Tweets begleiten die tägliche Informationskultur in den Massenmedien. Für die Medienkonsument*innen wird ein Gefühl der permanenten Ereignishaftigkeit produziert. Krisen, Katastrophen, Unglücke und Kriege wechseln sich ab, überlagern sich und verschwimmen im Dschungel der Medienevents. Das Klima der permanenten Ereignishaftigkeit relativiert das plötzliche Hereinbrechen eines einzelnen Ereignisses und schwächt deren Schockwirkung. Katastrophenmeldungen werden zum alltäglichen Bestandteil medialer Wahrnehmung. In ständiger Erwartung des nächsten Ereignisses erwächst aus erschütternden Ereignissen eine erschütternde Ereignislosigkeit.
Die Installation besteht aus drei aufeinander bezogenen räumlichen Elementen, die die vorhandene Architektur durchkreuzen. In einen Kalksandstein ist der Schriftzug »+++ Breaking News +++« eingemeißelt. Der Stein liegt exponiert auf einem weißen, leicht erhöhten Sockel. Auf einer weiteren weißen Fläche befinden sich drei mit LEDs hinterleuchtete, pulsierende Pluszeichen. Die drei Pluszeichen verweisen auf die Zeichensprache früherer Nachrichtenübermittlung und werden heute zur Kennzeichnung von Eilmeldungen im Onlinejournalismus verwendet. Durch ihr Pulsieren laden sie die geschwungene weiße Fläche mit einer erwartungsvollen Spannung auf. An der dritten weißen Fläche ist rückseitig ein Körperschallwandler angebracht, der die Fläche selbst zur Lautsprechermembran werden lässt. Ein Fragment eines sogenannten Breaking-News-Jingles erklingt in permanenter Wiederholung und entfaltet dabei eine zugleich meditative und beunruhigende Wirkung. »DiDiDiDitDiDiDiDitDiDiDiDit …« Das akustische Signal, das gewöhnlich ein plötzliches Ereignis ankündigt, verwandelt sich durch seine permanente Wiederholung in eine beunruhigende Beruhigung.




