THIS IS NOT JUST THE STREET.
THESE ARE THE PEOPLE.

Installation, 2022

Im Herbst 2021 erhielt der belarussisch-polnische Grenzübergang Bruzgi–Kuźnica internationale Aufmerksamkeit. Tausende Migrant*innen, vorwiegend aus arabischen Staaten, versuchten dort, in die EU einzureisen. Dem belarussischen Machthaber Aljaksandr Lukaschenko wurde vorgeworfen, Menschen gezielt an die Grenze gebracht zu haben, um sie als politisches Druckmittel gegen die Sanktionen der Europäischen Union einzusetzen.

Der Titel This is not just the street. These are the people. entstammt einem offenen Brief der belarussischen Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, den sie im Zuge der Proteste und Verhaftungen nach den Präsidentschaftswahlen in Belarus 2020 veröffentlichte.

Im Zentrum der Installation steht eine Bühne aus Euro-Paletten auf der ein Mikrofon platziert ist. Aus dem zu einem Lautsprecher umfunktionierten Mikrofon ertönen Gedichte belarussischer Lyriker*innen. Die Bühne ist ein Nachbau der provisorischen Konstruktion, auf der Lukaschenko im November 2021 in einem umgenutzten Logistikzentrum nahe der polnischen Grenze zu den dort untergebrachten Menschen sprach.

Auf einem Bildschirm sind Aufnahmen einer Webcam der belarussischen Regierung zu sehen. Die ursprünglich der Verkehrsüberwachung dienende Kamera übertrug die Ereignisse am Grenzübergang live. Sieben großformatige Bilder zeigen die im November bei Google zum Suchbegriff »Bruzgi« veröffentlichten Aufnahmen, chronologisch nach Tagen geordnet. Etwas abseits verweist ein um 180 Grad gedrehtes Schild, das an ein EU-Grenzübergangsschild erinnert, auf konkurrierende politische Narrative. Die Sterne der EU-Flagge sind durch Emojis ersetzt, die Social-Media-Posts zu den Ereignissen in Bruzgi entnommen sind.

Mit Gedichten von: Julia Cimafiejeva, Maryja Martysievič, Uladzimir Liankievič, Dmitri Strozew, Tania Skarynkina und Andrej Chadanowitsch

Installationsansichten Galerie intershop, Leipzig
Foto 7: Lesung von Andrej Chadanowitsch