@BASJANADER_#I’MTSTTY

Künstlerische Forschung und Installation, seit 2013

Die Arbeit @basjanader_#I’mtstty beschäftigt sich mit der Kultur des Kopierens und Nachahmens im Internet sowie mit der Wahrnehmung von Emotionen im Kontext sich verändernder Technologien und medienbasierter Kommunikationsformen. Ausgangspunkt ist ein von Sven Bergelt angelegtes Archiv mit Video-Reenactments von Bas Jan Aders Film I'm too sad to tell you. Bereits 2007 stellte Bergelt den Film selbst nach und veröffentlichte das Reenactment unter dem Titel I’m sad enough to show you auf YouTube. Damit befragte er die in Aders Arbeit angelegte Auseinandersetzung mit der Authentizität und Vermittlung von Traurigkeit im Kontext des damals neuen Web 2.0.

In den folgenden Jahren erschienen auf YouTube immer mehr Nachahmungen, Adaptionen und Remixes des Films von Ader. Bergelt begann, die Videos sowie Kommentare, Metadaten und weiteres audiovisuelles und textliches Material zu sammeln und in ein eigenes Archiv zu überführen. Die einzelnen Reenactments stehen darin nicht nur in Beziehung zum Original, sondern treten auch untereinander in Beziehung und die Kommentarfunktionen eröffnen neue Kontextualisierungen.

Für jede Ausstellung wird das Archivmaterial neu befragt und in unterschiedliche mediale und räumliche Konstellationen überführt, die verschiedene Foki setzen. Das Archiv wird so selbst zu einer prozessualen künstlerischen und kuratorischen Form. Mit jeder neuen Präsentation untersucht die Arbeit, wie sich Bilder und Emotionen durch wechselnde Medien und Technologien verändern, wie sie klassifiziert und interpretiert werden und welche neuen Formen von Kommunikation daraus entstehen.

Galerie EIGEN + ART Leipzig, 2013
Bei der ersten Präsentation wurde das Archiv in einer verschiebbaren Gitterkonstruktion der Galerie gezeigt. Die Besucher*innen konnten unterschiedliche Ebenen des Gitters bewegen und dadurch verschiedene Aspekte und Zeitebenen des Archivs miteinander in Beziehung setzen.

CYNETART-Festival Dresden, 2013
Auf dem CYNETART-Festival stand die visuelle Ebene des Archivs im Mittelpunkt. An einem Schreibtisch mit 18 DVD-Playern konnten Besucher*innen die archivierten Videos selbst auswählen und zu immer neuen Zusammenstellungen kombinieren.

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 2014
An der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig wurde die Arbeit als Soundinstallation präsentiert. Im Zentrum standen vertonte User*innenkommentare zum Originalfilm von Bas Jan Ader auf YouTube, in denen stereotype Geschlechtervorstellungen vom Weinen verhandelt, die Sinnhaftigkeit von Kunst befragt und biografische Bezüge zu Bas Jan Ader hergestellt werden.

HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst in Leipzig, 2021
Für die Ausstellung in der HALLE 14 wurde das Archivmaterial mit KI-Software zur sprach- und gesichtsbasierten Emotionserkennung kombiniert. Damit wurde die Auseinandersetzung mit der medialen Darstellung von Emotionen um die Frage ihrer algorithmischen Klassifizierung erweitert.

Kunstraum Lakeside Klagenfurt, 2023
Im Kunstraum Lakeside in Klagenfurt wurde die Arbeit als Installation und Performance präsentiert. Ein Chatbot generierte Texte als Reaktion auf den Titel I'm too sad to tell you, die anschließend performativ vorgetragen und in eine menschliche Interaktion überführt wurden. Die Texte changieren zwischen Empathiebekundungen, der Normalisierung von Traurigkeit und Hilfsangeboten.

Galerie EIGEN + ART Leipzig, 2013
Galerie EIGEN + ART Leipzig, 2013
CYNETART-Festival Dresden, 2013
CYNETART-Festival Dresden, 2013
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 2014
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 2014
HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Leipzig, 2021
HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Leipzig, 2021
Kunstraum Lakeside Klagenfurt, 2023; Fotos: Johannes Puch
Kunstraum Lakeside Klagenfurt, 2023; Fotos: Johannes Puch